Leseproben

Leseproben von Elke:

Leseproben von Holger:

 

 

Aus “Komm, gib mir deine Hand”, veröffentlicht in Yeahsterday, Lerato-Verlag 2007

Aus “Yeah, yeah, yeah!”, veröffentlicht in Yeahsterday, Lerato-Verlag 2007

Aus “Für ein liebes Mädchen”, veröffentlicht in Jahrmarkt der Geschenke - Ein Literarisches Überraschungspaket, Verlag Stories & Friends 2008

Gedicht “Romeo und Julia”, veröffentlicht in Wortbeben, Lerato-Verlag 2007

Aus “Der Schönste”, veröffentlicht in der Anthologie Mit allen Sinnen - eine literarische Weinprobe,  Stories & Friends Verlag, 2007

Aus “Des Barons von Münchhausen wundersames Abenteuer in den Rebstöcken”, veröffentlicht in der Anthologie Mit allen Sinnen - eine literarische Weinprobe,  Stories & Friends Verlag, 2007

Aus “Ein genialer Einfall”, veröffentlicht in 101 Liebesgeschichten aus Nordrhein-Westfalen, Mediathek, 2007

Aus “Schmetterlinge”, veröffentlicht in der Anthologie Sugar Baby Love, Lerato-Verlag 2006

 Aus “Hinter der Hecke”, veröffentlicht in der Anthologie Sugar Baby Love, Lerato-Verlag 2006

Aus “Sugar Baby Love”, veröffentlicht in der Anthologie Sugar Baby Love, Lerato-Verlag, 2006

Aus “Vollmond”, veröffentlicht in der Anthologie Wer hat hier das Sagen, Gipfelbuch-Verlag, 2005

Aus “Die männliche Tussi”, veröffentlicht im Berliner Stadtmagazin Zitty, Nr. 21/2004

Komm, gib mir deine Hand

Sag mal, wie findest du den Werner?“

Ganz in Ordnung, warum?“

Nur so.“ Ich merkte, wie meine Wangen heiß wurden, wie immer, wenn ich nicht die Wahrheit sagte. Hoffentlich bekam Marlis nichts mit.

Aber da sah sie mich schon so komisch von der Seite an: „Haste dich in ihn verknallt?“

Nein!“ Eine Spur zu schnell und zu laut. Mein Gesicht glühte. Mist!

Sie lachte.

Nach einer Weile, während der wir schweigend den Heimweg von der Schule fortsetzten, fragte ich doch, denn schließlich war Marlis meine beste Freundin: „Würdest du denn mit ihm gehen?“

Nee, da müßte schon ein anderer kommen.“ Es klang ein bißchen verächtlich, so kannte ich sie gar nicht. „Du vielleicht schon, was?“ fügte sie hinzu.

Ich hab doch gesagt, daß ich nicht verknallt bin.“

Ende. Aus. Neues Thema, bitte!

......

Mehr zu Marlis, Werner und der Frage, wer mit wem gehen würde, gibt es in der Anthologie “Yeahsterday - Stories in the sky with diamonds”. 
Zu bestellen hier.


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Yeah, yeah, yeah!

.....

Nochmal!“ bat ich. Wir hockten vor einer Musiktruhe, deren Radioskala unverdrossen Stationen wie „Belgrad“, Stavanger“, „Königsberg“ und „Breslau“ anzeigte. Das nukleare Armageddon tagtäglich vor Augen, gefielen uns sentimentale Lieder sehr, besonders das vom Pferdehalfter an der Wand. Gelegentlich mußten wir verstohlen schluchzen. Bruce Low, der Mann mit der tiefen Stimme und der weichen Seele, war der Größte – bis jetzt. Denn eine brandneue Single lag auf, Onkel Sepps Mitbringsel für Arno. Das Cover zeigte vier junge Männer mit schockierenden Mähnen. Sie erreichten bereits die Ohren. Beinahe jedenfalls.

Mein bester Freund strahlte, als sei ihm soeben der Heilige Geist erschienen. Seine Augen glänzten. Ungeduldig bugsierte er den altertümlichen Tonabnehmer zurück. Die Nadel knisterte. Und schon ging's wieder los:

She loves you, yeah, yeah, yeah!“

Mein lieber Scholli, das klang ganz und gar nicht wie Begrabt mein Herz in der Prärie und Hafenlicht! Dieses „Yeah, yeah, yeah“ war der reinste Stromstoß. Da vibrierte pure Energie – so völlig anders als die lethargische, vornehm gedämpfte Untergangsstimmung, die uns umgab. Im sicheren Gefühl, daß Berlin demnächst von sowjetischen oder amerikanischen Atombomben eingeäschert würde, wirkte der ansteckende Optimismus dieser Schallplatte geradezu obszön. Der Orkan aus Übermut, guter Laune und unbändiger Lebensfreude verursachte in meinem Epizentrum ein wohliges Beben. Die Polkappen schmolzen im warmen Regen des Schlagzeugs und tränkten die Seele mit Zuversicht. Plötzlich sendete der Große Regisseur in Technicolor. Welch ein Feuerwerk! Nun lag es an den Menschen, all die Farben einzufangen, um daraus ein Lächeln zu machen.

......

Möchten Sie weiterlesen? Diese und weitere Geschichten aus der “Beatles-Zeit” sind im Buch “Yeahsterday - Stories in the sky with diamonds” zu finden.
Zu bestellen hier.


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Für ein liebes Mädchen

Seit dem ersten Vogelzwitschern lag sie wach und wartete. Die Dämmerung war in helles Morgenlicht übergegangen. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern. In ihrem Magen kribbelte es, wie wenn sie auf der Schaukel saß und Papa sie hoch in die Luft fliegen ließ. Endlich, endlich würde sie es bekommen, würde belohnt für ihre Tapferkeit!

Leni kuschelte sich in die Bettdecke und stellte es sich vor: Das schönste, beste, tollste, wunderbarste Geschenk ihres Lebens. Ersehnt wie nie etwas zuvor. Was waren dagegen der Tretroller vom vorigen Jahr oder die Puppe von Weihnachten, die „Mama“ sagen konnte?

Dabei hatte sie beinah nicht mehr daran geglaubt. Wochen, nein Monate lag sie den Eltern mit ihrem Wunsch in den Ohren. Immer und immer wieder, so dass die schon die Augen verdrehten, sobald Leni das Wort Geburtstag in den Mund nahm. Jedes Mal die gleiche Antwort: Nein, das geht nicht. Es sei zu teuer, sie könnten es nicht bezahlen. Lenis Beteuerungen, sie würde auf ihre wöchentlichen fünfzig Pfennig Taschengeld verzichten und außerdem überhaupt nichts anderes geschenkt haben wollen, auch die nächsten hundert Jahre nicht, zeigten keine Wirkung. Außer Papas Kopfschütteln. Und das war ernst zu nehmen.

Also versuchte sie, Mama zu erweichen: „Ich helfe dir jeden Tag beim Abwasch und feg die Küche - bis in alle Ewigkeit.“

Mama lachte kurz auf, sah aber dann irgendwie traurig aus. „Schau mal, wir haben doch auch gar keinen Platz“, sagte sie und schälte weiter Kartoffeln.

Das leuchtete selbst Leni ein.
......

Wie es mit Leni weitergeht, können Sie hier erfahren: “Jahrmarkt der Geschenke - Ein literarisches Überraschungspaket”, Verlag Stories & Friends.
Zu bestellen hier.


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Romeo und Julia

Romeo und Julia waren,
als sie starben, jung an Jahren.
Ihr verstörend frühes Ende
machte beide zur Legende.
Doch verhinderte ihr Sterben
Qual und Siechtum und Verderben,
diente letztlich der Vermeidung
von Zermürbung, Streit und Scheidung.

Romeo und Julia hatten
Glück im Unglück, denn als Gatten
lernt man schnell, sich zu entzweien,
und bereut das frühe Freien.
Schnellstens kommt, was kommen muß:
Ekel, Haß und Überdruß!

Um dies Elend zu vermeiden,
macht’s wie die berühmten beiden:
Vor der Ehe Seelennot
schützte sie ihr Liebestod.
Hört auf Shakespeare, seid nicht dumm,
bringt euch vor der Hochzeit um!

Dieses Gedicht und weitere aus der Feder von Holger Dittmann sind u. a. zu finden in: “Wortbeben - Komische Gedichte”, Lerato-Verlag.


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Der Schönste

.........

Beim Betreten des Lokals hatte Katrin mit einem Rundumblick registriert, dass niemand da war, der Georg sein konnte. Gut so! Ein wenig sammeln, sich mental einstimmen, schon mal ein Schlückchen trinken.

So früh am Abend waren erst zwei Gäste anwesend. Ein Pärchen, jung, sie sehr hübsch. Mit verliebten Augen hingen sie aneinander.

Süß, die beiden.

Katrin schmunzelte. Erwartungsvolles Kribbeln strahlte aus ihrer Mitte. Das Kerzenlicht vor ihr flackerte leicht; sie ließ den Blick darin ruhen.

Ein Vierteljahr lang jeden Tag E-Mails. Und vor einem Monat endlich das erste Telefonat. Großer Gott, seine Stimme! Lebhaft, prickelnd wie Sekt, sanft und erotisch – all das traf zu und traf es doch nicht. Wie sie diesen Klang liebte!

Würde sie auch Georg lieben?

Der Schwarzriesling!“ Er wurde so hart auf dem Tisch abgesetzt, dass er fast überschwappte.

Abrupt in die Realität zurückgerissen, verfluchte Katrin die Kellnerin, die ihren Beruf verfehlt zu haben schien.

Beruf …

Katrin griff zum Glas und schwenkte den ziegelroten Inhalt. Während ihr das Aroma in die Nase stieg und sie eine Spur von Brombeerduft wahrnahm, dachte sie an ihren eigenen Job. Lektorin in einem belletristischen Verlag. Wer hatte die Karten des Schicksals nur so gut gemischt, dass sie und Georg im Internet zusammentrafen? Er war Buchhändler, und Katrin vermochte nicht mehr zu sagen, in wie vielen E-Mails sie sich über Bestseller, neu erschienene Romane, berühmte und unbekannte Autoren ausgetauscht hatten.

Sie nahm den ersten Schluck, fühlte ihn samtig am Gaumen.

Ja, ein durchaus annehmbarer Tropfen. Kennenlern-Weinwoche im Pub ...

Wieder musste sie lächeln. Georg würde es genauso lustig finden.

Nun könnte er langsam kommen. Sie war so gespannt auf ihn.

Tatsächlich öffnete sich die Eingangstür.

Katrin straffte die Schultern.

Zwei Männer traten ein und setzten sich an die Theke. Die Blondine zapfte ihnen unaufgefordert Bier, scherzte mit ihnen.

Na bitte, Stammgast musste man sein!

Katrin schaute auf die alte Standuhr in der Ecke, deren Pendel beruhigend hin und her schwang. Zwanzig Minuten Verspätung.

Nicht schlimm.

Katrin war nicht kleinlich.

Beim nächsten Gast begann ihr Herz eine Spur schneller zu schlagen. Eine schlanke, große Gestalt im Trenchcoat, auf dem Tropfen des Novemberregens glänzten. Aber dem Mann stand selbst die triste Jahreszeit gut. Er fuhr sich durch den dichten dunklen Haarschopf, schnäuzte seine aristokratische Nase und bevor er an der anderen Seite des Raumes auf einer Ledercouch Platz nahm, sah er zu ihr herüber.

Was würde er bestellen? Weiß oder Rot?

......

Neugierig auf mehr? Hier ist die gesamte Geschichte zu lesen: “Mit allen Sinnen - eine literarische Weinprobe”, Verlag Stories & Friends.
Zu bestellen hier.


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Des Barons von Münchhausen wundersames Abenteuer in den Rebstöcken

Meine Herren, da wir noch Zeit haben, einige frische Flaschen zu leeren, so will ich Ihnen eine höchst seltsame Begebenheit erzählen, die mir erst vor wenigen Monaten widerfahren.

Nachdem mich der Großfürst von Lothringen, wo das Wort eines wahrheitsliebenden Mannes noch etwas gilt, in Ehren aus seinen Diensten entlassen und mit einigen prachtvollen Rebhühnern entlohnet, die freilich ebenso lebendig waren wie Sie, trat ich alsbald meine Rückreise im Einspänner an. Das Federvieh trachtete ich für die Begründung einer Zucht auf dem heimischen Gute zu verwenden. Unterwegs aber traf es sich, daß ich mich einer Einladung ins Württembergische entsann, der ich nunmehr Folge zu leisten gedachte, sintemalen der Sauser des Grafen von Heilbronn landauf, landab gerühmet und wohl nirgendwo auf der Welt seinesgleichen findet.

So erreichte ich denn gegen Abend den Landsitz des alten Freundes, an dessen Seite ich so manchen Strauß ausgefochten. Doch wie verwundert war ich, ihn sorgenvoll und gramgebeugt anzutreffen. Als wir ausgiebig getafelt und nicht nur der Meerschaumpfeife, sondern auch einigen Bouteillen kräftig zugesprochen, vertraute er mir die Ursache seines Kummers an. Die einst so üppigen Weinstöcke, der Stolz seines Geschlechts, die bekanntlich im Rufe stehen, daß sich unter dem Eindruck ihres Wohlgeruchs selbst Musketenkugeln verirren und berauschet herniedersinken, hatte er nach der Rückkehr aus Übersee von einem unbekannten Getier verwüstet gefunden, dessen man trotz regelmäßiger Nachtwachen nicht habhaft werden konnte. Niemand wird sich die Verzweiflung des Grafen besser ausmalen können als Sie, meine Herren, die Sie einen guten Tropfen ebensowenig verschmähen wie ich.

Ich versprach, alsbald auf Abhülfe zu sinnen, und ritt denn auch anderntags an der Seite des Unglücklichen aus, um die Pflanzungen, welche nach der althergebrachten Kunst am Berghange in lieblichen Terrassen aufgereihet, zu begutachten. Fürwahr bot sich mir ein Bild des Jammers, denn das kostbare Grün ward bereits zur Hälfte vernichtet, und ich hätte gewißlich einen weinseligen Bären als Verursacher des Übels in Verdacht genommen, allein es fehlten jegliche Spuren.

......

Wie Baron Münchhausens Abenteuer weitergeht, ist hier zu lesen: “Mit allen Sinnen - eine literarische Weinprobe”, Verlag Stories & Friends.
Zu bestellen hier.


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Ein genialer Einfall

Es war September und das Laub der Kastanien, die den Reiterhof in Gelsenkirchen-Resse umgaben, zeigte den ersten rötlichen Schimmer. Ich, Mitte Zwanzig, hatte gerade eine schlimme Zeit hinter mir. Nach nur einem Jahr war meine Ehe in die Brüche gegangen. Aber nun hatte ich mir Knall auf Fall einen lang gehegten Wunsch erfüllt: Ein Pferd. Fuchsrot war es; eine Stute mit Namen Anika. Etwas für die Seele und eine Aufgabe. Etwas, worüber man den Kummer vergaß.

Jeden Tag fuhr ich nach Feierabend quer durch unsere Stadt bis an ihren grünen Rand im Norden zu meiner „wilden Hummel“. Oh ja, Anika hatte Temperament! Und wie oft ich aus dem Sattel flog und den Sand der Reitbahn küsste, kann ich gar nicht zählen. Aber ich hatte mich eben auf den ersten Blick in sie verliebt. Dagegen ist man machtlos.

Es bewies sich bald, dass diese These nicht nur auf Vierbeiner zutraf.

Denn eigentlich wollte ich so schnell gar keine neue Beziehung …

Aber dann tauchte da ein neuer Reitschüler auf. Ein richtiges Greenhorn, das noch niemals auf einem Pferd gesessen hatte. Wir ritten zusammen in einer seiner ersten Stunden. Unser Reitlehrer hatte mich an den Anfang der Abteilung und ihn mit seinem Schulpferd ans Ende platziert. Als Anfangsreiter hat man die Pflicht, sich öfter nach seiner folgenden Reiterschar umzuschauen, und das tat ich.

Ich weiß nicht, was es genau war. Die Selbstverständlichkeit, mit der er auf dem Pferd saß? Seine braunen Augen ..? Jedenfalls blieb mein Blick, wenn ich mich im Sattel nach meiner Abteilung umsah, jedes Mal bei ihm hängen.

....

Die gesamte Geschichte ist zu lesen in “Manchmal werden Orte zufällig romantisch - 101 Liebesgeschichten aus Nordrhein-Westfalen”.
Zu bestellen hier.


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Schmetterlinge

......

Margit ist nur eine unter vielen. Selbst über Friedrich den Großen weiß ich mehr. Sein Konflikt mit dem Vater, sein bewundernswertes Flötenspiel, der geistreiche Briefwechsel mit Voltaire faszinieren bis heute. Unzählige Portraits zeigen seine ausdrucksvollen, klugen Augen, unzählige Anekdoten bezeugen die tiefe Zuneigung zu den Hunden, die ihn begleiteten. Man muß kein Historiker sein, um zu spüren, wie sehr er den Frühling liebte, wie empfänglich seine Seele für alles Schöne war. Hätte er sonst das Konzert für Flöte, Streichorchester und Basso continuo G-dur komponieren können? Jenes bezaubernde, nicht enden wollende Allegro, dessen winzige Dissonanzen so wohlig an der Seele kitzeln; ein einzigartiges, ausgelassenes Jauchzen und Jubilieren, ein Feuerwerk der Wonne, des unbeschreiblichen Entzückens!

Denn so ist der Mai: Junge Blätter entrollen sich über ihren verwelkten Ahnen, Kastanienbäume stellen ihre Blüten auf, die Luft ist voller Verheißung; im verspielten Rheinsberg, im soldatischen Potsdam ebenso wie im charmanten Wien. Man weiß, daß Friedrichs österreichische Gegenspielerin Maria Theresia in der Hofburg residierte. Nur wenige U-Bahn-Stationen trennen das berühmte Bauwerk von Margits Behausung in der Wassergasse, nahe dem Donaukanal. Wer sich behaglich am Ufer niederläßt, beschattet die Augen gegen das Funkeln des Flusses, geblendet von der verschwenderischen Pracht einer Natur, die ihre Kinder entläßt, Abertausende neue Kreaturen auf ihre Bahn wirft, jede einzelne voll unbändigen Lebenshungers, jede einzelne berstend vor Ungeduld, ihrer Bestimmung gewiß - und dennoch werden so viele scheitern. Noch aber tanzen sie unbeschwert im sonnigen Wind, bunte Schmetterlinge, denn eine barmherzige Natur hat ihnen versagt, ihr Schicksal zu erahnen, und hält ihnen sanft die Augen zu.

......

Mehr davon gibt es in: “Sugar Baby Love - Stories aus den Siebzigern”, Lerato-Verlag.  Zu bestellen per Email bei Elke Schleich oder Holger Dittmann.


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Hinter der Hecke

Manchmal ist es ein Song aus dem Radio, manchmal nur die Sonnenwärme auf meiner Haut. Dann ist er auf einmal wieder da, jener Sommer. Jener Sommer, in dem ich siebzehn war und abends so oft am Fenster stand, um von dem Jungen auf dem weißen Pferd zu träumen.

Wir waren wenige Monate zuvor in die geräumige Parterrewohnung eines Altbaus gezogen, und ich hatte mein erstes eigenes Zimmer bekommen. Wenn ich aus dem Fenster sah, fiel mein Blick auf die Lenaustraße. Eine Schule lag schräg gegenüber. An den Schulhof schlossen sich Garagen an und an diese eine hohe Hecke. Davor ein maroder Holzzaun mit einigen Lücken. Beides bildete die zweifelhafte Abgrenzung zu einem verwilderten Garten, welcher das Ziegelhaus des längst in Rente gegangenen Pedells umgab.

Während ich versonnen auf die Straße blickte und vom Plattenspieler Peter Maffays „Du“ herüberklang, dachte ich an Thomas. Ich war heftig verliebt in ihn. Er leider kein bißchen in mich. Doch eines Tages würde sich das ändern, dann würde er endlich das in mir sehen, was ich so gerne sein wollte: die einzig Richtige für ihn.

Wuff!“ Der Übergang zur Realität ging abrupt vor sich. Biene nahm keinerlei Rücksicht. Sie brachte sich in Position: Vorderpfoten auf den Boden gedrückt, Hinterteil nach oben gestreckt. Ihre schwarze, gebogene Rute wedelte.

Aber ja, wir gehen schon.“ Der Anblick meiner Hündin ließ mich Liebeskummer und Wunschträume vergessen.

Ich holte die Leine, Biene sprang um mich herum. „Wir sind dann mal Gassi!“ rief ich meiner Mutter zu, die in der Küche Kartoffeln schälte.

Im Treppenhaus stand die Bonk vom ersten Stock mit der alten Kollakowsky beisammen. Die Bonk war so etwas Ähnliches wie Hausmeisterin und beäugte argwöhnisch meinen Hund.

Tach“, sagte ich und drückte mich an den beiden vorbei.

Da ist ja wieder der kleine Lorbaß.“ Die Alte beugte sich zu Biene hinunter.

Lieber nicht anfassen!“ entfuhr es mir.

Frau Kollakowsky hielt in der Bewegung inne und lächelte. „Läßt wohl nicht jeden ran, der Lorbaß.“

Ist eine Sie.“

Die Bonk rümpfte die Nase, nahm wieder ihre Gesprächspartnerin in Beschlag. Ich hörte noch, wie sie sagte: „Jedenfalls muß man ein Auge auf die dort drüben haben. Man weiß nicht, was da vor sich geht.“

Ich trat aus dem dunklen Flur, verharrte einen Moment in der jäh über mich hereinbrechenden Hitze. Die beiden Sätze hallten in mir nach, und als ich die Straße überquert hatte und am Zaun mit der Hecke war, suchten meine Augen, wie immer, wenn ich vorbeikam, nach Stellen zum Durchschauen. Ich sah einen farblosen Gartenstuhl im hochgewachsenen Gras, eine ziegelumrandete Feuerstelle; daneben eine Batterie leerer Weinflaschen. Obwohl ich gern mehr entdeckt hätte, traute ich mich nicht, stehenzubleiben. Außerdem zog Biene in Richtung „Grüner Weg“.

Der parkähnliche Streifen von gut drei Kilometern Länge ging quer durch Gelsenkirchens Stadtteil Bismarck und hatte zwei Vorteile. Erstens konnte ich dort meinen Hund frei laufen lassen und zweitens – da war sie wieder, die verflixte Herzensangelegenheit! – benutzte Thomas diesen Weg jeden Tag um halb sieben, wenn er von der Arbeit heimkam. Ein Blick auf meine Uhr bestätigte: ich lag in der Zeit.

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Zu Ende lesen? Den Rest gibt es in der Anthologie “Sugar Baby Love - Stories aus den Siebzigern”, Lerato-Verlag. Zu bestellen per Email bei Elke Schleich oder Holger Dittmann.


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Sugar Baby Love

Kleine Zeitreise? Okay, du hast es so gewollt!

Da stehst du also vor dem Jugendheim Halemweg. Die Luft riecht nach Schnee, und dein Atem verwirbelt im fahlen Licht. Peitschenmasten gießen Neon auf parkende Wagen: Opel Rekord, VW-Käfer, Ford 20 M: waschanlagengepflegte Statussymbole.

Der Flachbau duckt sich vor der Kirche "Sühne Christi", einem Entwurf aus den frühen Sechzigern mit separatem Glockenturm. Die umstehenden Wohnblöcke, nur um weniges älter, sehen einander zum Verwechseln ähnlich. Selbst die Rasenflächen scheinen identisch. Gleiche Gehwegplatten zwischen gleichen Hecken, erhellt von gleichen Laternen, führen zu gleichen Haustüren; gleiche Treppenaufgänge erschließen gleiche Wohnungen, in denen gleiche Menschen just in diesem Augenblick das gleiche Fernsehprogramm verfolgen: die "Rudi-Carell-Show".

Ja, schau nur auf die hinterleuchteten Fenster! Jedesmal, wenn du hier bist, fühlst du dich an ein Aquarium voller fremdartiger Wesen erinnert. Ihr Anblick ängstigt dich. Du willst nicht werden wie all diese gleichen Leute, die den gleichen Beruf bei Siemens ausüben; aber eine Alternative für deine Zukunft kennst du erst recht nicht.

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Und hier steht die Geschichte in voller Länge: “Sugar Baby Love - Stories aus den Siebzigern”, Lerato-Verlag.  Zu bestellen per Email bei Elke Schleich oder Holger Dittmann.


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Vollmond

Etwas ist anders. Noch bevor ich unseren Treffpunkt erreiche, spüre ich es und bleibe stehen. Die Straße ist leer, es dämmert. Hinter dem Fenster, im gelben Licht der Küchenlampe, sehe ich Sissis Menschen, höre ihre Stimmen und Geräusche, die zu ihrem Essensritual gehören: Tellerklappern, die zufallende Kühlschranktür.
Meine Schnurrhaare vibrieren, als ich weiter ziehe, am Haus vorbei, den Zaun entlang, in den Garten und mit einem Satz das Garagendach erreiche – wie jeden Tag um diese Zeit.
Sissi ist nicht da. Ich kauere mich hin und warte.

Sissi ist meine Angebetete. Als sie vor sechs Monden mit ihren Leuten hierher zog und ich sie das erste Mal sah, verliebte ich mich auf der Stelle. Schwarz ist ihr Fell von Kopf bis Fuß, mit einer einzigen, winzigkleinen weißen Stelle, die nur ich kenne – hoffe ich. Erst hat sie mich abblitzen lassen, aber mein Werben war beharrlich.

Der Himmel wird dunkel, der große Mond steht bleich über den Häusern und verbreitet fahles Licht. Ich rühre mich nicht und lausche in den Abend. Unten läuft eine Maus ins Blumenbeet. Im Holunderbusch piepst die junge Brut der Amsel, an die ich nie herankomme, denn auch die Kletterkunst eines Katers hat ihre Grenzen.

Sissi kommt nicht. Dafür Paul.
Schwerfällig hievt er seinen fülligen, langbehaarten Körper aufs Dach.
Da kannst du heute lange warten“, sagt er.
Ich richte mich auf. Wir beschnuppern unsere Nasen. Na ja, was man bei ihm Nase nennt, dieses eingedrückte Ding. Aber die Menschen behaupten, so gehöre es zu einer Perserkatze.
Sie ist weg.“ Paul setzt sich mir gegenüber.
Wie weg?“
Sie ist heute früh nicht bei mir vorbeigekommen. Sonst besucht sie mich immer auf ihrem Morgenrundgang.“
Na und? Vielleicht bist du ihr nicht mehr so wichtig.“
Er sieht mich mit seinen Bernsteinaugen an und ich weiß, dass ich ihn gekränkt habe. „He, sei nicht eingeschnappt! Sie mag dich sicher, aber ein Kater mit voller Manneskraft ist eben doch was anderes.“
Ich lecke mir über den weißen Latz meines ansonsten grau-schwarz getigerten Fells.
Ihre Leute haben den ganzen Nachmittag nach ihr gerufen.“

Das ungute Gefühl in meinem Bauch verstärkt sich.
Paul und ich diskutieren Sissis Verschwinden. An einen Autounfall glauben wir nicht; sie war immer so vorsichtig, wenn sie die Straße überquerte. Wir kommen zu keinem Ergebnis. Dann ziehen wir los, um sie zu suchen.

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Wenn Sie wissen möchtet, wie es weiter geht: “Vollmond” ist in der Tiergeschichten-Anthologie “Wer hat hier das Sagen” im Gipfelbuch-Verlag erschienen. Zu bestellen hier.


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Die männliche Tussi

Verliebt dreht sich die männliche Tussi vor dem Spiegel. Ist sie nicht anbetungswürdig?

Nach Piratenart hat sie ein Halstuch um den Kopf geschlungen. Ihre Kleidung ist erlesen, ihre Bräune makellos, ihr Parfum raumgreifend.

Sie wirft einen langen, zärtlichen Blick auf ihren Body. Ihn, den sie liebt wie keinen zweiten, stählt sie viermal wöchentlich im Fitneßstudio. Sie gibt ihm alles, wonach er verlangt, von den teuersten Cremes bis hin zum kostbarsten Kettchen, denn sie ist seiner Anziehungskraft hoffnungslos erlegen. Zwar demonstrieren ganze Kerle wie sie für gewöhnlich unerbittliche Härte gegen sich selbst, und das sogar bei den gefürchteten Haut- Irritationen, doch diese eine kleine Schwäche verzeiht sie sich gern. Die geballte Schönheit ihres Spiegelbilds macht sie immer wieder willenlos. Jeden Wunsch liest sie ihm von den Augen ab. Zu überwältigend ist der Stolz auf eine Figur, die, wie sie findet, alle anderen Tussis vor Neid erblassen lassen müßte. Der Anblick verzückt sie jeden Morgen aufs neue. Sie kann sich nicht daran sattsehen. Und so gönnt sie ihrem Köper das Beste, das sich irgend finden läßt: Die teuerste Markenbekleidung ist gerade gut genug für dieses herrliche Ebenbild Apolls, nicht zu vergessen die italienischen Schuhe; exquisite Lotionen, Aftershaves und Herrendüfte sind der für jedermann sichtbare Ausdruck seines unermeßlichen Werts, der die männliche Tussi in ihren Augen so einzigartig macht. Ist es nicht ganz natürlich, daß sie ihn mit kostbarem Schmuck behängt?

Ihr Schritt ist wiegend und prahlerisch. Breitbeinig kommt sie dahergestelzt, kurze, formelhafte Floskeln auf den Lippen, die im Konzert der Männlichkeit nichts anderes sind als ritualisierte Erkennungsmelodien aus der vieltausendjährigen Opernwelt maskulinen Imponiergehabes. Sie indes hält sie für erlesene Eigenkompositionen allererster Güte, für ganz besonders originelle Refrains. Virtuos beherrscht sie die Klaviatur der virilen Rituale: Sie verträgt Unmengen von Alkohol, kennt sämtliche Fußballergebnisse, war schon überall, hat längst aufgehört, ihre Eroberungen zu zählen, und kann hervorragend bowlen; sie verabscheut das Alter und die Hilfsbedürftigkeit.

Nur im Fitneß- Center genügen die Spiegel ihrem Alabasterkörper so einigermaßen, findet sie. Argwöhnisch und mißmutig beobachtet sie die anderen Tussis beim Pumpen. Ist unter ihnen etwa eine mit einer besseren Figur? Eine, die womöglich mehr Situps schafft als sie selbst? Eine, die muskulöser ist? “Was hat sie, das ich nicht habe?” fragt sie dann. Doch die Antwort gibt sie sich gleich selbst: Sie ist sich völlig sicher, daß das Aussehen des Nebenmannes wohl eher auf Chemie denn auf Trainingsfleiß zurückzuführen ist. Nur zu gerne wüßte sie den Namen des Präparats! Aber männliche Tussis geben ihre Tricks nicht preis - am allerwenigsten einer Konkurrentin. Wenn sie einander begegnen, reden sie nur das Allernotwendigste - nämlich, welch strahlende Helden sie sind.

Zwar bewegt sich die männliche Tussi kaum weiter als von der Maniküre zum Peeling, vom Bräunungsstudio zur Kegelbahn, doch ihre Armbanduhr ist optimiert für zwanzigtausend Meter Flughöhe und den Gebrauch in der Tiefsee. Dieser exklusive Chronometer deutet den Spielraum ihrer Möglichkeiten an, den ganzen unermeßlichen Konjunktiv ihrer Existenz. Für jedermann ist ersichtlich: Sollte jemals ein Stratospährenflug anstehen und sollte man dabei auf eine Tussi zurückgreifen müssen, so ist jedenfalls sie es, die bereits die richtige Uhr trägt!

......

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